Kanülenmanagement – kurz erklärt
Kanülenmanagement umfasst den fachgerechten Umgang mit einer Trachealkanüle und alle Maßnahmen, die für einen sicheren künstlichen Atemweg notwendig sind. Dazu gehören unter anderem die Auswahl der passenden Kanüle, die Kontrolle ihrer Lage und Durchgängigkeit, die Pflege des Tracheostomas, das Sekret- und Cuffmanagement sowie geplante Kanülenwechsel. Gutes Kanülenmanagement orientiert sich immer an der individuellen Atem-, Schluck- und Versorgungssituation des Betroffenen.
- Ziel: Einen sicheren und möglichst komplikationsarmen Atemweg gewährleisten.
- Wichtig: Kanülentyp, Größe und Ausstattung müssen individuell zum Patienten passen.
- Praxis: Pflege, Sekretmanagement, Cuffkontrolle, Beobachtung und Kanülenwechsel greifen ineinander.
Was bedeutet Kanülenmanagement?
Mit Kanülenmanagement ist im intensivpflegerischen Zusammenhang meist das Management einer Trachealkanüle gemeint. Eine Trachealkanüle wird über ein Tracheostoma direkt in die Luftröhre eingesetzt und kann beispielsweise zur Sicherung der Atemwege oder für eine invasive Beatmung erforderlich sein.
Die Kanüle einfach nur korrekt einzusetzen, reicht für eine sichere Versorgung jedoch nicht aus. Sie muss zur Anatomie, zur Atmung, zur Beatmungssituation, zum Sekretaufkommen und zu weiteren individuellen Anforderungen des Betroffenen passen. Deshalb ist Kanülenmanagement keine einzelne Pflegemaßnahme, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Aufgaben.
Gerade in der außerklinischen Intensivpflege gehört ein strukturiertes Kanülenmanagement zu den zentralen Voraussetzungen für eine sichere Versorgung von Menschen mit Tracheostoma.
Welche Aufgaben gehören zum Kanülenmanagement?
Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt von der jeweiligen Versorgungssituation ab. Zu einem umfassenden Kanülenmanagement können insbesondere folgende Bereiche gehören:
- Auswahl einer geeigneten Trachealkanüle
- Kontrolle von Lage und Durchgängigkeit
- Pflege und Beobachtung des Tracheostomas
- Kontrolle und Reinigung einer vorhandenen Innenkanüle
- Sekretmanagement und bedarfsgerechtes Absaugen
- Cuffmanagement bei blockbaren Kanülen
- Beobachtung von Atmung und Beatmung
- geplante Kanülenwechsel
- Beobachtung möglicher Komplikationen
- Förderung von Kommunikation und Schlucken, sofern dies möglich ist
Entscheidend ist dabei, diese Punkte nicht isoliert zu betrachten. Eine Veränderung an der Kanüle kann beispielsweise Auswirkungen auf Beatmung, Sprechen, Schlucken oder Sekretmanagement haben.
Warum muss die Trachealkanüle individuell ausgewählt werden?
Trachealkanülen unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Länge, Durchmesser, Material und Ausstattung. Es gibt beispielsweise blockbare und ungeblockte sowie gefensterte und ungefensterte Kanülen. Manche Systeme verfügen außerdem über eine herausnehmbare Innenkanüle oder Möglichkeiten zur subglottischen Sekretabsaugung.
Welche Variante geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab. Dabei spielen unter anderem die Anatomie, eine vorhandene Beatmung, der Schutz der Atemwege, das Sekretaufkommen sowie Möglichkeiten zum Sprechen und Schlucken eine Rolle.
Eine ungeeignete Kanüle kann Probleme verursachen. Deshalb gehört die regelmäßige Überprüfung, ob die verwendete Trachealkanüle weiterhin zur Versorgungssituation passt, zu einem guten Kanülenmanagement.
Was bedeutet Cuffmanagement?
Viele Trachealkanülen besitzen einen sogenannten Cuff. Dabei handelt es sich um eine aufblasbare Manschette am unteren Bereich der Kanüle. Ist sie geblockt, dichtet sie den Raum zwischen Kanüle und Trachealwand weitgehend ab. Das kann beispielsweise für eine kontrollierte invasive Beatmung erforderlich sein.
Der Umgang mit dem Cuff ist ein wichtiger Bestandteil des Kanülenmanagements. Ein zu hoher Druck kann die Schleimhaut der Luftröhre belasten. Ein unzureichend gefüllter Cuff kann wiederum dazu führen, dass die notwendige Abdichtung für die Beatmung nicht erreicht wird.
Ob und wann eine Kanüle entblockt werden kann, muss individuell beurteilt werden. Dabei spielen unter anderem Beatmung, Hustenfähigkeit, Sekret, Schluckfunktion und die Durchgängigkeit der oberen Atemwege eine Rolle.
Verhindert ein geblockter Cuff eine Aspiration vollständig?
Nein. Ein geblockter Cuff kann eine gewisse Barriere bilden, stellt aber keinen vollständigen Aspirationsschutz dar. Sekret kann sich beispielsweise oberhalb des Cuffs ansammeln und an der Manschette vorbeigelangen.
Deshalb bleiben Schluckdiagnostik, Mundpflege, Sekretmanagement und die Beobachtung möglicher Aspirationszeichen auch bei einer geblockten Trachealkanüle wichtig.
Welche Rolle spielt das Sekretmanagement?
Menschen mit einer Trachealkanüle können Sekret teilweise schlechter über die natürlichen Atemwege abhusten. Gleichzeitig umgeht die Kanüle einen Teil der natürlichen Erwärmungs-, Befeuchtungs- und Filterfunktion von Nase und Rachen.
Ein funktionierendes Sekretmanagement ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Kanülenmanagements. Je nach Situation können beispielsweise ausreichende Befeuchtung, Mobilisation, Atemtherapie, Hustenunterstützung oder das Absaugen von Sekret notwendig sein.
Auch die Kanüle selbst muss im Blick bleiben. Ablagerungen können das Innenlumen verkleinern und dadurch den Atemwegswiderstand erhöhen. Kanüle und gegebenenfalls vorhandene Innenkanüle müssen deshalb entsprechend der jeweiligen Vorgaben kontrolliert und gepflegt werden.
Wann muss über eine Trachealkanüle abgesaugt werden?
Das Absaugen dient dazu, Sekret aus der Trachealkanüle beziehungsweise den tieferen Atemwegen zu entfernen, wenn die betroffene Person dieses nicht ausreichend selbst abhusten kann.
Hinweise können beispielsweise hörbare Sekretgeräusche, sichtbares Sekret, Veränderungen der Atmung, Auffälligkeiten bei der Beatmung oder eine Verschlechterung der Sauerstoffsättigung sein.
Absaugen ist eine fachliche Maßnahme und sollte sich am tatsächlichen Bedarf orientieren. Dabei müssen unter anderem Hygiene, geeignete Katheter, Absaugtiefe und die Reaktion des Patienten berücksichtigt werden.
Warum ist die Innenkanüle wichtig?
Einige Trachealkanülen verfügen über eine herausnehmbare Innenkanüle. An ihr können sich Sekrete und Ablagerungen ansammeln. Wird das Lumen dadurch enger, kann die Atemarbeit steigen oder im ungünstigen Fall die Durchgängigkeit beeinträchtigt werden.
Eine Innenkanüle kann den Vorteil haben, dass sie entnommen und entsprechend dem verwendeten System gereinigt oder ersetzt werden kann. Gleichzeitig verringert eine Innenkanüle den verfügbaren Innendurchmesser. Auch dieser Aspekt muss beim individuellen Kanülenmanagement berücksichtigt werden.
Wie häufig wird eine Trachealkanüle gewechselt?
Für den Kanülenwechsel gibt es kein allgemeines Zeitintervall, das für jeden Menschen und jede Kanüle gleichermaßen gilt. Wechselintervalle richten sich unter anderem nach dem verwendeten Produkt, den Herstellerangaben und der individuellen klinischen Situation.
Ein Wechsel kann beispielsweise notwendig werden, wenn die Kanüle durch Sekret beeinträchtigt ist, Materialprobleme auftreten oder ein anderer Kanülentyp beziehungsweise eine andere Größe benötigt wird.
Kanülenwechsel müssen geplant und von entsprechend qualifizierten Personen durchgeführt werden. Besonders beim ersten Wechsel eines frisch angelegten Tracheostomas gelten erhöhte Anforderungen.
Wichtige Bestandteile eines sicheren Kanülenmanagements
- Passende Kanüle: Typ, Länge und Durchmesser müssen zur individuellen Situation passen.
- Freier Atemweg: Durchgängigkeit und Sekretlage werden regelmäßig beurteilt.
- Sicheres Cuffmanagement: Blockung und Cuffdruck werden entsprechend der Versorgungssituation kontrolliert.
- Tracheostoma beobachten: Haut, Wundumgebung und mögliche Veränderungen müssen im Blick bleiben.
- Notfallvorsorge: Material und klare Abläufe für eine Verlegung oder Dislokation der Kanüle müssen vorhanden sein.
Welche Veränderungen am Tracheostoma sollten beobachtet werden?
Auch das Tracheostoma selbst gehört zum Kanülenmanagement. Die Haut und der Bereich um die Öffnung sollten regelmäßig auf Veränderungen kontrolliert werden.
Auffällig können beispielsweise Rötungen, Schwellungen, Blutungen, Schmerzen, verändertes Sekret oder ungewöhnliche Gewebebildungen sein. Auch eine veränderte Lage oder Beweglichkeit der Kanüle sollte ernst genommen werden.
Veränderungen müssen fachlich beurteilt werden, damit mögliche Infektionen, Druckstellen oder andere Komplikationen frühzeitig erkannt werden können.
Was passiert, wenn eine Trachealkanüle verstopft?
Eine teilweise oder vollständige Verlegung der Trachealkanüle kann zu einer akuten Beeinträchtigung der Atmung führen. Ursachen können beispielsweise zähes Sekret, Blut oder andere Ablagerungen sein.
Warnzeichen können zunehmende Atemarbeit, auffällige Atemgeräusche, Beatmungsalarme, sinkende Sauerstoffsättigung oder Schwierigkeiten beim Absaugen sein.
Für Menschen mit Trachealkanüle müssen deshalb individuell festgelegte Notfallabläufe bestehen. Pflegefachkräfte müssen wissen, wie sie bei einer möglichen Verlegung reagieren und welches Ersatzmaterial benötigt wird.
Was bedeutet eine Dislokation der Trachealkanüle?
Von einer Dislokation spricht man, wenn sich die Trachealkanüle aus ihrer vorgesehenen Position verschiebt. Je nach Situation kann dadurch der Atemweg beeinträchtigt oder eine wirksame Beatmung unmöglich werden.
Besonders bei einem noch nicht stabilen Tracheostoma kann eine solche Situation kritisch sein. Deshalb gehören eine sichere Fixierung, regelmäßige Lagekontrolle und ein vorbereitetes Notfallmanagement zu einer professionellen Versorgung.
Welche Rolle spielen Sprechen und Kommunikation?
Eine Trachealkanüle kann die natürliche Stimmgebung beeinträchtigen, weil die Ausatemluft nicht oder nur eingeschränkt durch den Kehlkopf strömt. Abhängig von der individuellen Situation können ungeblockte oder gefensterte Kanülen beziehungsweise Sprechventile Möglichkeiten schaffen, den Luftstrom wieder über den Kehlkopf zu führen.
Solche Veränderungen dürfen jedoch nicht einfach ausprobiert werden. Besonders bei beatmeten Menschen müssen Atemweg, Beatmung, Sekretmanagement und Schluckfunktion berücksichtigt werden.
Ziel eines guten Kanülenmanagements ist deshalb nicht nur ein sicherer Atemweg. Wo medizinisch möglich, sollten auch Kommunikation, Schlucken und Lebensqualität berücksichtigt werden.
Kanülenmanagement und Schlucken
Trachealkanüle, Sekretmanagement und Schluckfunktion stehen häufig in engem Zusammenhang. Besonders Menschen mit neurologischen Erkrankungen können gleichzeitig unter einer Dysphagie leiden.
Vor Veränderungen wie Entblockungsphasen, Sprechventilversorgung oder einer möglichen Dekanülierung kann deshalb eine gezielte Beurteilung der Schluckfunktion erforderlich sein. Pflege, Medizin, Logopädie beziehungsweise Schlucktherapie und weitere beteiligte Fachbereiche arbeiten dabei eng zusammen.
Was bedeutet Dekanülierung?
Als Dekanülierung bezeichnet man die dauerhafte Entfernung einer Trachealkanüle. Sie kommt infrage, wenn der künstliche Atemweg nicht mehr benötigt wird und bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sind.
Dabei werden unter anderem Atmung, Hustenfähigkeit, Sekretmanagement, Schluckfunktion und die Durchgängigkeit der natürlichen Atemwege berücksichtigt. Eine Dekanülierung ist daher kein einfacher Kanülenwechsel, sondern das Ergebnis eines strukturierten medizinischen Entscheidungsprozesses.
Warum ist Notfallmanagement ein Teil des Kanülenmanagements?
Bei Menschen mit Trachealkanüle können Situationen auftreten, in denen schnell gehandelt werden muss. Dazu gehören beispielsweise eine Verlegung der Kanüle, eine unbeabsichtigte Dislokation, Blutungen oder akute Probleme mit der Beatmung.
Deshalb gehören klare Notfallabläufe, geeignetes Ersatzmaterial und entsprechend geschulte Pflegefachkräfte zu einer sicheren Versorgung. Im häuslichen Umfeld ist es besonders wichtig, dass benötigte Materialien unmittelbar verfügbar und Zuständigkeiten eindeutig geregelt sind.
Kanülenmanagement in der außerklinischen Intensivpflege
In der außerklinischen Intensivpflege findet Kanülenmanagement nicht in einer Klinik, sondern im alltäglichen Lebensumfeld des Betroffenen statt. Trotzdem müssen dieselben grundlegenden Anforderungen an Sicherheit, Hygiene, Beobachtung und fachgerechten Umgang mit dem künstlichen Atemweg erfüllt werden.
Pflegefachkräfte beobachten dabei nicht nur die Trachealkanüle selbst. Atmung, Sekret, Hautzustand, Beatmung, Kommunikation, Schlucken und der Allgemeinzustand werden gemeinsam betrachtet.
Dadurch kann die Versorgung an Veränderungen angepasst und möglichen Komplikationen frühzeitig begegnet werden.
Kanülenmanagement bei IHC24
Bei IHC24 ist ein fachgerechtes Kanülenmanagement Bestandteil der Versorgung von Menschen mit Tracheostoma und entsprechendem intensivpflegerischem Bedarf. Die Pflege richtet sich nach der individuellen gesundheitlichen Situation, der verwendeten Trachealkanüle sowie den ärztlich und therapeutisch festgelegten Anforderungen.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Intensiv- und Beatmungspflege bei IHC24. Begriffe rund um Tracheostoma, Beatmung und außerklinische Intensivpflege erklären wir außerdem im Pflege-Glossar von IHC24.
Weiterführende Fachinformationen
Fachliche Empfehlungen zum Umgang mit Trachealkanülen finden sich unter anderem in den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Internationale praxisorientierte Informationen zur Tracheostomaversorgung stellt außerdem das National Tracheostomy Safety Project bereit.